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  • Shortlist des Young Generation Art Award 2027
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9. Oktober 2026

Shortlist des Young Generation Art Award 2027

Der Young Generation Art Award, der 2024 ins Leben gerufen wurde, ist ein internationaler Kunstpreis zur Förderung junger Künstlerinnen und Künstler in einer prägenden Phase ihrer Karriere. Er unterstreicht das Engagement von Degussa, neuen künstlerischen Stimmen Raum zu geben und aufstrebenden Talenten der zeitgenössischen Kunst mehr Sichtbarkeit zu verschaffen.
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Die Shortlist 2027

 

Hope Bartley

Hope Bartley, geboren 1993 in Kingston, studierte in Jamaika an der Caribbean School of Architecture sowie am Bauhaus Dessau, wo er 2018 seinen Masterabschluss in Architektur erwarb. In seiner künstlerischen Praxis untersucht er das Verhältnis zwischen Mensch und Natur, dem er sich mithilfe von Installationen, Video und Malerei nähert. In seinen Arbeiten ist die Natur kein äußerer Ort, den man besuchen kann, sondern ein integraler Bestandteil des menschlichen Daseins.

„Biophilie“ – die angeborene Verbundenheit mit der natürlichen Umwelt – besitzt in der Karibik und in Lateinamerika eine große Bedeutung. Der Künstler betont, dass es dabei „nicht einfach um die Bewunderung der Natur geht, sondern um eine grundlegende, beinahe instinktive Verbindung zwischen dem menschlichen Leben und der natürlichen Welt. Ich betrachte diese Beziehung sowohl aus einer poetischen als auch aus einer wissenschaftlichen Perspektive.“

Bartleys Arbeiten zeigen häufig menschliche Figuren in Zuständen der Transformation. Sie verschmelzen mit ihren Hintergründen, treten wie freundliche Geister aus ihrer natürlichen Umgebung hervor und scheinen symbiotisch mit ihr verbunden zu sein. Die Trennung zwischen Natur und Mensch wird in diesen Motiven aufgehoben und wirft die Frage auf, ob diese Trennung lediglich ein Konstrukt ist, das sich wieder auflösen ließe.

„Letztlich möchte ich mit meiner Arbeit einen Raum der Reflexion öffnen, in dem Grenzen verschwimmen: zwischen Selbst und Umwelt, Wahrnehmung und Wahrheit, Fragmentierung und Ganzheit. In diesem Zusammenfließen möchte ich eine stille, aber beharrliche Möglichkeit aufzeigen: dass durch ein tieferes Bewusstsein und körperlich erfahrenes Erleben neue Formen des Verständnisses und des Zusammenlebens entstehen können.“


 

 

Joanna Chia-yu Lin

Joanna Chia-yu Lin wurde 1995 in Taiwan geboren. Sie studierte Kunst in Taipeh, bevor sie sich 2020 an der Oslo National Academy of Fine Arts in Norwegen einschrieb, wo sie bis heute lebt. Sie schafft großformatige Textilinstallationen, die als Kulissen für eigene oder gefundene Fotografien dienen. Diese überträgt sie mithilfe verschiedener Techniken auf synthetische Materialien. Zu den wiederkehrenden Themen ihrer Arbeit gehören Erinnerung, Familie und die Auswirkungen von Migration auf persönliche Beziehungen.

„Seit sieben Jahren lebe ich in Norwegen und kehre immer wieder für kurze Aufenthalte nach Taiwan zurück. Diese Bewegung prägt meine Wahrnehmung von Distanz als etwas Fragmentiertem, als eine Voraussetzung für Erinnern und Vergessen. Bei jeder Rückkehr entdecke ich neue Spuren in den Häusern meiner Familie: Gegenstände wurden verschoben, Staub hat sich angesammelt. Diese Räume zu dokumentieren wurde für mich zu einer Möglichkeit, diese Momente festzuhalten, bevor sie weiter entschwinden“, sagt sie.

Ihre Serie „8800 km, 14 Postcards (Until the Day She Arrives)“ aus dem Jahr 2025 basiert auf Postkarten, die sie und ihre Mutter einander schrieben – wechselseitige Projektionen auf das jeweils weit entfernte Leben der anderen. Für ihre Installation „Family Album“ aus dem Jahr 2025 druckte sie Fotografien der Schminktische ihrer Mutter und Großmutter sowie ihres eigenen Schreibtisches auf Folienbahnen. Diese hängen wie Vorhänge im Raum und schaffen einen intimen Ort, an dem drei Generationen von Frauen – die derzeit nicht persönlich miteinander in Kontakt treten können – zusammenkommen können.

„Die Arbeit untersucht das Gleichgewicht zwischen Unabhängigkeit, Pflicht und der Freiheit, selbst zu entscheiden, und reflektiert darüber, wie familiäre Erfahrungen Identität und die Rollen von Frauen innerhalb der Kreisläufe von Liebe, Fürsorge und Erwartungen prägen“, sagt sie.


 

 

Pierre-Yves Delannoy

geboren 1995 in Châlons-sur-Marne, Frankreich, studierte Kunst und Architektur in Paris, Versailles und München. 2025 schloss er sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste München als Meisterschüler von Julian Rosefeldt ab.

In seinen Arbeiten setzt Delannoy handwerkliche Techniken wie Filzen, Live-Performance und räumliche Installationen ein. Durch die Verwendung von Materialien wie Wolle und Textilien – die häufig mit Weiblichkeit assoziiert und als vergleichsweise wenig wertvoll angesehen werden – hinterfragt er diese Zuschreibungen.

Delannoy behandelt Erinnerungen aus seiner Kindheit als lebendige Elemente seiner Motive. Er ruft die Bilder nicht nur in Erinnerung, sondern verleiht ihnen auch eine greifbare Präsenz. Wenn er etwa in der gefilzten Wandarbeit „Fières Pouilleux“ (Stolze Läuse) die endlosen Felder und Silos des ländlichen Frankreichs aus dem Inneren eines Autos zeigt, lenkt er zugleich den Blick auf das Brachland als geheimen Cruising-Ort. In „Pendant Que Les Champs Brûlent“ (Während die Felder brennen) betrauert er eine vorindustrielle Natur, die längst zerstört ist. Diesen Verlust empfindet er als persönliche Wunde, die dennoch von der Hoffnung auf eine Utopie begleitet wird: „von der Hoffnung, dass, wenn ich dieses Land mit meinen Tränen bewässern würde, dort eine Zukunft sprießen könnte. Ich träume von einem Land, in dem Vielfalt wieder kultiviert wird. In dem die Beziehungen zwischen den Menschen ebenso reich und lebendig sind wie die Erde unter ihnen.“


 

 

Joana Loewis

Joana Loewis, geboren 1996, studierte an der Akademie der Bildenden Künste München bei Jorinde Voigt, Pola Sieverding und Gregor Hildebrandt, bei dem sie 2026 ihr Studium als Meisterschülerin mit Diplom abschloss.

In ihrer Arbeit begreift Loewis die abstrakte Malerei als ein Feld mit eigenen Gesetzmäßigkeiten, denen sie in ihrer künstlerischen Praxis immer tiefer nachgeht. Diese Prinzipien „lassen sich mit dem Verstand nicht vollständig erfassen“, sagt sie. „Ich sehe dieses Feld als ein kollektives, das ein universelles, zeitloses Wissen verkörpert.“

Ausgestattet mit diesem Wissen – das im Laufe der jahrhundertelangen Geschichte der Malerei von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern immer wieder neu untersucht werden muss – nimmt sich Loewis in ihren Gemälden große gestalterische Freiheit im Umgang mit Form und Farbe. Dabei arrangiert sie ihre Bildelemente, indem sie freie und bewusst kontrollierte malerische Gesten sorgfältig miteinander ausbalanciert. Durch den gezielten Einsatz von Hell und Dunkel verleiht sie ihren Bildern Tiefe und mehrere Ebenen, die den Blick der Betrachtenden auf der Leinwand strukturieren. Ihre Formate reichen dabei von klein bis groß. „Mit meiner Arbeit möchte ich Verbindungen schaffen“, sagt Joana Loewis, „die Menschen bewegen und um ihrer selbst willen funktionieren.“
 

 

 

Louisa Pieper

geboren 1997 in Deutschland, studierte Malerei in Leipzig und Halle und schloss ihr Studium im Frühjahr 2026 ab. Für ihre Arbeiten verwendet sie häufig ungewöhnliche Materialien: Sie malt auf Veloursstoff, der über dicken Schaumstoff gespannt ist, sodass ihre Gemälde an überdimensionale Kissen erinnern. Ihre Farben sind leuchtend, ihre Motive oft comicartig und heiter. Doch dahinter steht ein ernstes Anliegen: Pieper wurde mit einer Hörbeeinträchtigung geboren.

„In meiner künstlerischen Arbeit beschäftige ich mich mit meinem eigenen Hörverlust, meinem Cyborg-Körper und mit Behinderung innerhalb der Kunstwelt. Ein Cyborg ist ein Lebewesen, das technisch erweitert oder verbessert wurde. Ich bin technisch erweitert. Ich höre schlecht und trage deshalb Hörgeräte. Mein Körper ist ein Cyborg-Körper und interagiert auf unauffällige Weise mit anderen“, sagt sie.

Piepers Körper reagiert auf bestimmte Gegenstände und Räume anders. Große, leere Räume mit starkem Nachhall – der klassische White Cube – sind für sie akustisch belastend. Induktionskochfelder, Luftfeuchtigkeit oder sogar bestimmte Kopfhörer können die Funktion ihrer Hörgeräte beeinträchtigen. Diese „Hearing Antagonists“ macht sie zum Gegenstand ihrer Kunst. „In meiner Malerei beschäftige ich mich mit allem, was mir Angst macht, mit allem, was mich stört. Ich verarbeite meine Antagonisten in meinen Bildern. Mit Schaumstoff und Plüschstoffen, verschiedenen Texturen und polychromen Farben konfrontiere ich meine ‚Hearing Antagonists‘ und entmachte sie“, sagt sie. Barrierefreiheit verdient Pieper zufolge in der Kunstwelt deutlich mehr Aufmerksamkeit.


 
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